Reiseberichte - Eindrücke und Berichte unserer Urlauber

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Sardinien, Cagliari

Als ich vor zwei Wochen meine Lastminutereise auf reisezauber.com nach Sardinien buchte, hatte ich keine Ahnung davon, was mich in Cagliari erwarten würde. Und auch als ich an diesem Morgen von meinem Hotel auf die Straße trete und durch die Gegend schlendere, wundere ich mich zunächst nur kurz darüber, dass eine der Hauptstraßen für Autos gesperrt ist. Ich gehe davon aus, dass wohl ein Straßenfest in Cagliari stattfindet, denn am Ende der Straße, kurz vor dem Meer, steht eine Bühne. Von dort aus, die ganze Straße rauf, sind Absperrungen angebracht. Aber auch das verwundert mich zunächst nicht. Erst als ich in einem der kleinen Cafés sitze und einen Espresso trinke, der hier in Italien nicht Espresso sondern einfach Café heißt, bemerke ich so langsam, was hier eigentlich los ist. Mein Blick fällt auf die dicke Überschrift der Tageszeitung. Obwohl ich kein Italienisch spreche, weiß ich sofort, was dort angekündigt wird: Il Papa a Cagliari! Ich kann nicht wirklich glauben, was ich dort lese und frage den Kellner, der allerdings nur schlecht Englisch spricht, ob ich richtig verstanden habe. Er bestätigt mir, dass heute wirklich der Papst in Cagliari ist. Auf der Bühne, die ich vorhin gesehen habe, wird er am späten Nachmittag zu den Jugendlichen der Stadt sprechen. Obwohl ich nicht gläubig bin, entschließe ich mich einige Stunden später dort noch einmal vorbei zu schauen. Wann hat man schließlich schon mal die Gelegenheit, den Papst zu treffen. Mittlerweile gleicht die Straße einem Massenauflauf kurz vor einem Popkonzert. Bei über 30 Grad im Schatten hängen die Jugendlichen über der Absperrung und werden von Hilfskräften mit Wasser versorgt. Viele von ihnen tragen Transparente mit sich, andere schwenken fröhlich Fahnen durch die Luft. Auf der Bühne singen Chöre aus Cagliari, einmal tritt sogar eine richtige Band auf. Aber es sind nicht nur Jugendliche hier, sondern auch ältere Menschen. Es scheint, als wäre die ganze Stadt auf den Beinen, um diesem Ereignis beizuwohnen. Und dann, mit einer Stunde Verspätung und von etlichen Sicherheitswagen begleitet, fährt tatsächlich das erwartete Papamobil vor. Die Mädchen geraten außer sich, als würde sie ihr größtes Idol herannahen sehen, selbst die älteren Frauen rufen und winken, die Männer halten die Willkommensplakate hoch. Ich bin dermaßen überrascht von einer solchen Euphorie, dass ich merke, dass auch ich mich mitreißen lasse. Als der Papa jedoch auf seinem Stuhl in der Bühnenmitte sitzt und ihm ein sehr aufgeregtes Mädchen etwas vorsingt, wende ich mich wieder ab. Heute, denke ich, könnte auch ein guter Tag sein, um durch die Straßen von Cagliari zu laufen. Wahrscheinlich wäre ich zum ersten Mal seit meiner Ankunft völlig allein unterwegs, könnte in Ruhe durch die schmalen Gassen der Altstadt laufen und mir ein Restaurant für den Abend aussuchen.