Reiseberichte - Eindrücke und Berichte unserer Urlauber

Drucken

mein Urlaub in Portugal

Der Waggon der klapprigen Straßenbahn ist überfüllt. Ich stehe hinter einer älteren kleinen Frau, die so zerbrechlich wirkt, dass ich sie am liebsten festhalten möchte, während sich der ausladende Bauch des Mannes hinter mir in meinen Rücken drückt. Ich bin auf den Weg nach Alfama, dem ältesten Stadtviertel Lissabons. Ich kann es kaum abwarten in die Stadt einzutauchen. Schon auf dem Flughafen Berlin-Tegel habe ich nachgelesen, was ich mir in Lissabon als erstes ansehen möchte und nach meiner Ankunft nur noch schnell meine Taschen im Hotelzimmer abgestellt. Doch selbst flüchtig betrachtet habe ich festgestellt, dass das Hotel genauso freundlich aussah wie auf der Homepage von reisezauber.com. Jetzt klettert die Straßenbahn ächzend einen Hügel hinauf und biegt dann so scharf nach rechts ab, dass der Mann hinter mir die Balance verliert und sich noch stärker gegen mich drückt, woraufhin auch ich das Gleichgewicht verliere und die zerbrechliche Frau nach vorn stolpert. Glücklicherweise ist der holzgetäfelte Innenraum so überladen, dass nur Menschenkörper gegen Menschenkörper stoßen und niemand hinfällt. Als ich mich umdrehe, lächelt mir der dickliche Mann zu, entschuldigt sich und fügt auf Deutsch hinzu, „die Linie 28 ist die älteste Straßenbahn der Welt, da spürt man manchmal ein paar Schwächen.“

Ich lache. „Man wollte sie schon einige Male abschaffen“, sagt der Mann, „aber wir Lissabonner hängen an ihr. Sie ist eines der Wahrzeichen unserer Stadt.“ Dann zeigt er aus dem Fenster und sagt zu mir, schau genau hin, einen solchen Ausblick hast du nur von hier drinnen.“ Tatsächlich fahren wir gerade durch eine so enge Gasse, dass die Straßenbahn nur noch eingleisig fährt. Die Häuser stehen so dich zusammen, dass man problemlos von einem Fenster zum anderen springen könnte. Von einigen Fassaden bröckelt der Putz ab, als hätte eine große Hand daran gekratzt, andere Häuser sind so windschief, als müssten sie sich gegen eine unsichtbare Macht lehnen. Immer wieder kann ich in die Wohnungen hineinsehen, erhasche einen kurzen Blick auf ein Sofa oder aber jemanden, der direkt am Fenster sitzt. Vor der Bahn laufen spielende Kinder über das Gleis, an einer Ecke steht eine Frauengruppe und bietet schreiend Fisch feil. „Schön, nicht?“, sagt mein Hintermann, der mich unbemerkt die ganze Zeit angesehen hat. Ich nicke. „An der nächsten Station solltest du aussteigen“, fährt er fort, „in den Gassen von Lissabon muss man sich verlaufen.“